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Wartezeiten-Wegweiser - auf Therapieplatzsuche?

Findest du keinen Therapieplatz, der zu dir passt?

Während einer psychischen Krise braucht es Mut und Geduld, um individuell passende Hilfe zu finden und anzunehmen.

Straße als symbolisches weg für unterschiedliche Wege innerhalb vonpsychischen Krisen
So unterschiedlich die Menschen mit ihren vielfältigen Erfahrungen sind, so vielfältig sind auch die Wege, die sie innerhalb des Hilfesystems gehen.

Du brauchst jetzt Unterstützung?

In akuten Krisen kannst du dich jederzeit an den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) wenden oder in die Psychiatrische Notaufnahme eines Krankenhauses gehen.

Viele Bundesländer haben auch eigene Krisendienste, die telefonisch oder vor Ort unterstützen. Für mehr Infos lies hier weiter: Erste Orientierung: Krise oder Notfall?.

Was bedeutet Recovery?

Ein Recovery-Weg in der mentalen Gesundheit beschreibt den individuellen Prozess des eigenen Wiederfindens von psychischer Stabilität, Selbstbestimmung und Lebensqualität – auch mit fortbestehenden Symptomen. Der Mensch gestaltet dabei sein erfülltes Leben aktiv mit.

 

In unserem Glossar findest du weitere Begriffserklärungen rund um mentale Gesundheit.

Es braucht Mut und Geduld, sich auf die Suche nach einem passenden Hilfsangebot zu machen. Oft braucht es das Kennenlernen unterschiedlicher Hilfsangebote mit den dort tätigen Menschen. Das kann anstrengend und vielleicht auch überfordernd sein.

Mache dir bewusst: Auch jeder kleine Schritt ist ein Schritt zu mehr Selbstfürsorge und Wirksamkeit. Und du bist nicht allein damit – viele Menschen teilen Erfahrungen dieser Art, daher kann auch eine Selbsthilfegruppe ein wichtiger Ort für Austausch und Verständnis sein!

Praktische Hilfen während der Therapieplatzsuche

Herausforderungen während der Therapieplatzsuche

Durch Ehrenamtliche und Mitglieder des Mut fördern e.V. bekommen wir immer mal wieder mit, wie herausfordernd es sein kann, einen passenden Therapieplatz zu finden oder überhaupt einen freien Platz zu bekommen.

Menschen begegnen Wartezeiten von mehreren Wochen bis Monaten, auch gibt es in ländlichen Gebieten nicht genügend Therapeuten, wodurch sich die Wartezeit auf einen Psychotherapieplatz verlängern kann. Dennoch lohnt sich für viele auch das Warten und/oder die Mühen, die mit der Suche verbunden sind.

 

Zusätzlich tauchen Fragen und Unsicherheiten auf wie:

Präventiv vorsorgen und Wartelisten nutzen

Daher lohnt es sich, früh genug mit der Therapieplatzsuche zu beginnen; wenn du denkst, dass es vielleicht noch nicht ganz so schlimm ist und du es erstmal noch ohne Unterstützung versuchen magst, informiere dich trotzdem und lass dich gegebenenfalls auf Wartelisten setzen. So kannst du früh genug für dich sorgen und hast genug Zeit und Nerven, dich mit der Suche zu beschäftigen.

Auch finanzielle Belastungen, eingeschränkte Mobilität oder fehlende digitale Geräte können die Suche nach psychosozialer Unterstützung erschweren. Scheue dich nicht, genau diese Themen in Beratungsstellen zu benennen – vielleicht kannst du Unterstützung in Anspruch nehmen, z. B. Fahrtkostenzuschüsse, Sozialsprechstunden oder papierbasierte Hilfen.

Psychotherapieplatzsuche ist oft mit Geduld und längeren Wartezeiten verbunden
Lange Wartezeiten und verschiedene Therapieverfahren können herausfordernd sein. Daher such dir Unterstützung von dir nahestehenden Personen oder Beratungsangeboten.

Psychotherapie & Kosten

In der Regel beginnt eine Therapie mit sogenannten probatorischen Sitzungen (max. 4), die dir ein erstes Kennenlernen mit de*m Psychotherapeut*in ermöglichen. Danach wird je nach Therapieverfahren ein Antrag auf Kurz- oder Langzeittherapie bei der Krankenkassen gestellt, somit fallen keine Kosten für dich an.

Kostenerstattung & Psychotherapie bei Privatpraxen ohne Kassensitz: Bei unzumutbar langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz kann ein sogenanntes Kostenerstattungsverfahren für eine alternative Behandlung bei einer psychotherapeutischen Praxis ohne Krankenkassensitz beantragt werden. Ausführliche Informationen sind auf therapie.de zu finden.

Wenn dir manche Begriffe neu sind, schau gern in unser Psych-Glossar – dort findest du verständliche Erklärungen.

Wie finde ich einen Psychotherapieplatz?

Allgemeine Beratungsstellen unterstützen dich, du musst dich nicht allein im psychosozialen Versorgungsdschungel zurechtfinden

Die Wohlfahrtsverbände von Diakonie, Caritas und co. bieten kostenlose Beratungen rund um Themen wie Familie, psychische Probleme, Geldsorgen an und können als erster Ansprechort dienen. Oder auch lokale Kontakt- und Beratungsstellen können eine erste Anlaufstelle bei der Suche nach einem Therapieplatz sein. Auch, wenn du dir unsicher bist, welche Art der Hilfe für deine psychische Krise passend ist.

Der sozialpsychiatrische Dienst im Gesundheitsamt deines Wohnortes, wo du gemeldet bist, bietet Menschen mit psychischen Problemlagen zusätzlich eine Beratungsmöglichkeit.

Vermittlung von Terminen über die Kassenärztliche Vereinigung

Um einen von der Krankenkasse zugelassenen Psychotherapeuten zu finden – wodurch keine Kosten entstehen, empfiehlt es sich, die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung über die Tel: 116 117 zu nutzen.

Die Terminservicestelle vermittelt Termine zur psychotherapeutischen Sprechstunde ohne Überweisung, solange es sich nicht um einen akuten Notfall handelt. Die einzelnen Bundesländer haben einzelne Webseiten mit spezifischen Informationen.

Lange Wartezeiten auf einen Therapieplatz können belasten
Selbsthilfegruppen können ein verlässlicher Raum für dich sein, indem du dich mit anderen über deine Erfahrungen auszutauschen kannst.

Eigene Recherche nach eine*m Psychotherapeut*innen

Auf therapie.de findest du über 10.000 Psychotherapeut*innen, Psycholog*innen und Heilpraktiker*innen deutschlandweit. Hier findest du auch hilfreiches Wissen rund um Therapieverfahren oder Diagnosen.

Auch eine Möglichkeit: Selbstfinanzierte Psychotherapie durch Heilpraktiker*innen Psych & andere Therapien

Neben kassenzugelassenen Psychotherapeut*innen gibt es viele Fachpersonen, die psychische Unterstützung anbieten – z. B. als Heilpraktiker*in für Psychotherapie, Gestalttherapeut*in, körperorientiert arbeitende Person, systemische*r Coach oder in anderen Therapieformen wie Kunst- oder Musiktherapie. Viele stellen auf ihrer Website Infos zu Qualifikation, Haltung und Arbeitsweise bereit und bieten zusätzlich Erstgespräche an. In unserem Glossar findest du verschiedene Hilfsangebote und Therapieverfahren, die kurz und knapp erklärt werden.

Diese Angebote können eine wichtige Begleitung in Krisenzeiten sein – etwa zur Überbrückung bis zum Start einer kassenfinanzierten Therapie oder als ergänzende Unterstützung um auch andere hilfreiche Therapieformen innerhalb deines persönlichen Recovery-Weges kennenzulernen.

Wichtig zu wissen: Diese Angebote müssen in der Regel selbst bezahlt werden, da sie nicht von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden. Manche privaten Kassen oder Zusatzversicherungen erstatten einen Teil – erkundige dich am besten direkt dort.

Du bekommst nur Absagen oder bist müde vom Telefonieren? Nicht du bist das Problem! Sondern ein überlastetes Versorgungssystem.

Leider haben viele Praxen lange Wartelisten. Das sagt nichts über deinen Bedarf oder deine Berechtigung aus, dir Hilfe zu suchen. Manchmal lohnt es sich, nach Wochen nochmals nachzufragen oder sich an mehreren Stellen gleichzeitig vormerken zu lassen.

Vielleicht vertraust du dich auch mit deinen Gedanken und Gefühlen einer dir vertrauten Person an oder wendest dich an eine telefonische Hotline wie die Telefonseelsorge. Gib nicht auf, denn es geht um dich!

Weitere Tipps bei der Therapieplatzsuche

Vertraue dich Menschen in deinem Umfeld an, die dich bei der Therapieplatzsuche unterstützen können, sei es bei der Auswahl eines Therapieverfahren oder die dir beim Recherchieren helfen. Oder mit denen du einfach über deine Erfahrungen sprechen kannst.

Auch wenn es schwer ist, sich unbekannten Menschen zu öffnen und es sich vielleicht auch nicht beim ersten Versuch angenehm mit der behandelnden Person anfühlt: Vertraue darauf, dass es sich mit Zeit und weiteren Kennenlernen verändern wird oder du erst noch weitere Psychotherapiepraxen kennenlernen musst, bis es sich für dich passend anfühlt.

Wenn du merkst, dass es dir vielleicht bald schlechter gehen könnte – warte nicht ab. Viele Praxen führen Wartelisten. Lass dich auch dort vormerken, wo du vielleicht erst in ein paar Wochen oder Monaten starten könntest.

Viele wissen nicht, dass es offene psychotherapeutische Sprechstunden gibt – ein erster Schritt, auch ohne gleich mit einer Therapie zu starten.

Über die 116 117 (kassenärztliche Vereinigung) kannst du dir einen Termin in einer psychotherapeutischen Sprechstunde vermitteln lassen. Diese sind kurzfristig zugänglich und dienen der Einschätzung und Orientierung.

In akuten psychischen Krisen gibt es außerdem lokale Krisendienste, die schnell, niedrigschwellig und oft rund um die Uhr erreichbar sind – telefonisch, manchmal auch mobil oder vor Ort.

Institutsambulanzen sind psychotherapeutische Behandlungsstellen, die oft an Universitäten oder Ausbildungsinstitute angebunden sind. Hier behandeln Therapeut*innen in fortgeschrittener Ausbildung (oft unter Supervision durch erfahrene Kolleg*innen, wodurch die Qualität der Therapie gesichert ist).

Wartezeiten können hier manchmal kürzer sein und die Behandlungskosten werden durch die Krankenkasse übernommen.

Nach einem ersten Termin zur psychotherapeutischen Sprechstunde sind in der Regel bis zu 4 probatorische Sitzungen möglich. Nutze diese, um zu prüfen, ob die Therapieform und die persönliche Chemie passen.

Vor allem auch für Menschen im ländlichen Raum können Online-Therapieformate oder Videosprechstunden hilfreich sein – manche Praxen bieten das ergänzend oder ausschließlich an.

betterhelp bietet bspw. psychologische Beratung in einem Online-Format an und kann Wartezeiten überbrücken. Einige Krankenkassen übernehmen hier auch die Kosten.

Auch Selbsthilfegruppen treffen sich mittlerweile auch in digitalen Räumen.

Sprich deinen Hausarzt*in an, ggfs. können sie auch auf Therapiepraxen hinweisen.

Wende dich an eine Beratungsstelle rund um psychische Themen, sie können dich bei der Suche nach einem passenden Platz unterstützen.

Informiere dich bei deiner Krankenkasse, auch deren Webseiten haben mittlerweile spezifische Informationen rund um mentale Gesundheit.

Du bist an- oder zugehörig von einer Person, die eine psychische Krise erlebt?

An- und zugehörige Menschen erleben die psychischen Krisen ihrer nahe stehenden Personen hautnah mit und haben eine wichtige Begleitfunktion.

 

Auch du darfst dir  Unterstützung bei spezifischen Beratungsangeboten für Angehörige von Menschen mit psychischen Krisen und Erkrankungen holen. Der Bundesverband der Angehörigen bietet bspw. ein Beratungstelefon durch das SeeleFon an.

Schnecke die symbolisiert, dass es manchmal Zeit braucht den passenden Therapieplatz zu finden.
Es braucht manchmal Zeit das für sich passende Therapieverfahren oder einen freien Psychotherapieplatz zu finden – Alternativangebote wie Selbsthilfegruppen können helfen, um Wartezeiten zu überbrücken.

Was du selbst noch tun kannst - wenn es dir schwer fällt:

  • Schreibe deine Gedanken und Gefühle auf.
  • Setze dir kleine erreichbare Ziele, z.B. 1-2 Anrufe oder Emails tätigen. Setze dir einen festen Zeitraum, wo du dich mit dem Thema beschäftigst und gönne dir dann auch eine Pause.
  • Nimm deine Schritte bewusst wahr und sei dankbar dafür – feiere kleine Schritte, ein Anruf, eine Email und ein Termin zu einem Infogespräch.
  • Frage nach Unterstützung, spreche Menschen an, denen du vertraust oder wende dich an eine TelefonSeelsorge-Hotline oder den Krisendienst.

Wie gehe ich mit Wartezeiten um und was kann ich alternativ tun?

Überbrückung von Wartezeiten

Auch Krisentelefone und Online-Beratungsstellen können überbrückend helfen. Ansprechpersonen hören zu, beraten anonym und vermitteln bei Bedarf weiter – z. B. die TelefonSeelsorge (0800 1110111) oder das Sorgentelefon für junge Menschen (116 111 oder Nummer gegen Kummer).

In Selbsthilfegruppen kannst du dich mit Menschen austauschen, die ähnliches erfahren und einen Ort der Zugehörigkeit und des Haltes erleben. In vielen Orten gibt es Selbsthiflekontakt- und Beratungsstellen, die dich bei der Suche nach einer passenden Selbsthilfegruppe unterstützen.

  • EUTB Stellen (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung) beraten auch niedrigschwellig und können ein Ansprechpunkt sein, um ein passendes Angebot für deine eigene psychische Problemlage zu finden. In EUTB Stellen arbeiten immer mal wieder auch sogenannte Peers, Menschen, die selbst Erfahrungen mit psychischen Krisen gesammelt haben.

In manchen Regionen kannst du auch mit Genesungsbegleitenden (EX-IN) oder Peers mit eigener Krisenerfahrung in Kontakt kommen – z. B. über Trägervereine, Recovery-Netzwerke oder offene Treffs.

Suche nach Anlaufstellen, die sich auf deine individuellen Erfahrungen spezialisiert haben. Für Menschen mit Fluchtgeschichte oder die sich in anderen Sprachen als deutsch verständigen, können psychosoziale Zentren eine erste Anlaufstelle sein.

Hier gibt es eine bundesweite Auflistung von psychosozialen Zentren. Oder suche Beratungsstellen auf, die speziell Fragen für queere Menschen, people of colour oder Menschen mit Gewalterfahrung anbieten.

  • Digitale Hilfsmittel und Apps rund um psychische Gesundheit können überbrückend oder begleitend auf Rezept erhalten werden. Frag bei deiner Krankenkasse oder in deiner Hausarztpraxis nach, welche digitalen Gesundheitsanwendungen für dich infrage kommen.
  • Hier zwei Beispiele:
    • deprexis für Menschen mit einer depressiven Symptomatik
    • Invirto für Menschen mit Ängsten und Panikattacken

Auch frei verfügbare Selbsthilfe-Apps wie Moodgym oder MindDoc können helfen – sie sind nicht verschreibbar, aber ohne Rezept nutzbar.

Auch bewegungsorientierte Selbsthilfegruppen, wie z. B. Wandergruppen oder Yogaangebote für psychisch belastete Menschen, können stärkend wirken – und helfen, in Kontakt zu kommen.

Psychosoziale Tageszentren und Kontaktstellen bieten oft strukturierende Tagesangebote, kreative Kurse oder Freizeitaktivitäten an – hier kannst du mit anderen in Kontakt kommen oder Unterstützung bei der weiteren Orientierung erhalten. Somit kannst du dich mit anderen austauschen, Zugehörigkeit erleben oder findest jemanden, der*die dich bei der Suche unterstützt.

Pflegefachpersonen unterstützen Menschen mit psychischen Erkrankungen in ihrem zu Hause, wodurch Krankenhausaufenthalte vermieden werden sollen. Die psychiatrische häusliche Krankenpflege kann stabilisierend helfen, die Wartezeit durchzuhalten und auch praktische Hilfe und Begleitung bei der Therapieplatzsuche bieten. Die ärztliche Verordnung erfolgt durch Fahrarztpraxen bspw. der Fachgebiete Nervenheilkunde, Neurologie oder Hausarztpraxen mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie. Ausführliche Informationen zu psychiatrisch häuslichen Krankenpflege findest du hier.

den eigenen Weg der Selbsthilfe finden
Die für dich passende Unterstützung innerhalb einer psychischen Krise braucht Zeit – auch während Wartezeiten bist du nicht allein.

Denke daran, du bist nicht allein - und du hast das Recht auf Unterstützung.

Denn 18 Millionen Menschen in Deutschland sind jedes Jahr psychisch belastet – das heißt jede vierte Person! Ob ein erstes Gespräch mit Mitmenschen, Beratung oder Therapie: dein Weg zählt und vertraue darauf, die für dich passende Hilfe zu finden.